Mangelnde Sicherheit in Privat-Bahnen

Drucken PDF

Jede Bahnfahrerin kennt das, am Wochenende sind manche Regionalbahnen nach Fußballspielen einfach nicht zu benutzen, es sei denn man/frau will sich zwischen grölende und nicht selten gewalttätige Fußballfans und Bundesgrenzschutz – wenn er denn da ist – quetschen.

Das ist grundsätzlich nicht zu tolerieren, aber immerhin vorhersehbar. Wie in der aktuellen Radzeit (5/2013) beschrieben ist, kann das auch ohne Fußballspiel passieren.

Zwei Erwachsene mit einer Gruppe Kinder mussten sich das Fahrradabteil mit einer Gruppe betrunkener und pöbelnder junger Männer, teilen. Diese weigerten sich das Fahrradabteil von Königswusterhausen nach Berlin überhaupt freizugeben, weshalb zwei Radlerinnen zurückbleiben mussten. Die Bedrohungen und Beleidigungen der jungen Männer, wahrscheinlich brandenburger Neonazis, dauerten an, die Kinder weinten und schließlich verließ die Gruppe aus Angst vor schlimmerem den Zug schon vorzeitig.

Das klingt alles, als wäre leider kein Schaffner im Zug gewesen, der die Polizei hätte verständigen können. Doch, den gab es, er gab aber den Frauen und Kindern die Schuld, sie würden die Männer mit ihren Fahrrädern (im Fahrradabteil!) provozieren. Mehr geschah nicht, eine Entschuldigung oder Entschädigung gab es natürlich auch nicht.

Das ist nicht irgendwo passiert sondern in der Ostdeutschen Eisenbahn, der ODEG. Das ist eine der privaten Bahnen, die der DB immer mehr Strecken abnehmen, weil sie diese billiger anbieten können. Gespart wird unter anderem beim Gehalt der Schaffner, die unter Tariflohn bezahlt werden. Das ist zwar keine Entschuldigung für derart feiges Verhalten des Schaffners, aber eine Erklärung. Wer keine würdevolle Arbeit hat, sondern ohne Gewerkschaft und Betriebsrat halb prekär beschäftigt ist, der hat auch nicht den Berufsstolz wie eine Schaffnerin die schon Jahrzehnt im Beruf ist. Zweitens stellt sich die Frage, wer in Privatbahnen für die Sicherheit zuständig ist. Der Bundesgrenzschutz ist der Nachfolger der Bahnpolizei. Der BGS ist aber nicht zuständig für die Privatbahnen. Wie der Fall nahelegt, ist es denen scheinbar zu teuer, einen Sicherheitsdienst zu finanzieren, der, wenn nötig auch mit einem Dutzend angetrunkener Neonazis fertig wird. Dass so etwas immer mal wieder nötig ist, sollte in Brandenburg beim besten Willen keine Überraschung sein.

Der Fall zeigt, dass prekäre Arbeitsverhältnisse prekäre Arbeiter hervorbringen: Schaffner die sich einfach nicht für ihren Zug und ihre Fahrgäste verantwortlich fühlen, hilflos und inkompetent erscheinen. (Ich bin überzeugt, dass die meisten DB Schaffner sofort den BGS gerufen hätten, wenn nötig unter Inkaufnahme einer Verspätung)

Natürlich könnte eine Privatbahn ihre eigene Sicherheitsfirma unterhalten, die mit größeren Gruppen aggressiver betrunkener Männer fertig wird. Ob sie dann auch noch gegen die DB im Preis konkurrieren kann, ist dahingestellt.

Die Bahnprivatisierung ist der falsche Weg, nicht nur wegen mangelnder Sicherheit im Zug. Das Land Brandenburg sollet die Konsequenzen ziehen und die ODEG von einer neuen Bewerbung um Strecken in Brandenburg ausschließen

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren