Berlin-Falludscha und zurück

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#Aufschrei-->Auto

I Berlin-Falludscha und zurück

 

Ähnlichkeiten zwischen Irak und Deutschland, Falludscha und Berlin? Gibt es nicht? Gibt es doch. Hier wie dort fahren Militärfahrzeuge durch die Straßen, Geländewagen und amerikanische „Humves“. In Berlin allerdings noch etwas schlimmer. Da gibt es die stretch-Variante, ein ca. 25 Meter langer Militär-Personaltransporter. Angemietet von wem eigentlich? Touristen, die sich die Stadt ansehen wollen, und den Unterschied zu einer Favela in Rio nicht verstanden haben?

 

Dabei wimmelt das berliner Regierungsviertel jetzt schon von solchen umgebauten Mannschaftstransportern. Und je mehr es werden, desto brutaler wird die Stimmung auf der Straße. Wer mit dem Fahrrad von Norden zum Potsdamer Platz will – dafür gibt es nur zwei Gründe, die Berlinale und die Staatsbibliothek – muß hier durch. Gibt es einen Radweg? Wie so oft gibt es keinen.

 

Die meisten Radler sind hier Radfahrer, Radfahrerinnen sind selten. Das ist kein Wunder, wie ich jüngst wieder beobachten mußte. Eine Frau auf einem Hollandrad fährt in Fahrradgeschwindigkeit, ca. 15km/h vor dem französischen Dom. Hinter ihr die Kreuzung aus 25 m strecht-Limousine und Militärfahrzeug. Das ist kein Auto für enge Straßen und keines, um Fahrradfahrerinnen zu überholen. Als die Radlerin an der Kreuzung hält um zwei Autos von Rechts vorzulassen, fängt der Militärtransporter an zu hupen und überholt sie haarknapp, um neben ihr rechts einzubiegen. Zwei Fußgänger springen zurück um nicht angefahren zu werden. Sie schauen traurig und entsetzt. Darf so etwas in einer zivilisierten Stadt geschehen?

 

Sofort ruft jemand mit dem Handy die Polizei, eine Minute später wird der Fahrer zur Rede gestellt (im Regierungsviertel ist genügend Polizei). Die Beweise sind auf mindestens fünf Kamerabändern gesichert (in Regierungsviertel ist jeder Quadratmeter überwacht). Der Mann, der sich so feige und bösartig verhalten hat, verliert sofort den Führerschein und seine Arbeit. In einer Resozialisierungsmaßnahme wird er den begrünten Seitenstreifen von Schnellstraßen vom Müll säubern und sich selbst ein Bild davon machen, wie es sich anfühlt, nackt von Blechkisten bedroht zu werden. Danach vermittelt ihm die Arbeitsagentur einen Job als Fahrradkurier.

 

...So wäre es in einer besseren Welt geschehen... Natürlich ist nichts passiert. Und schuld daran ist zuallererst das Ende der Kette. Dem Fahrer droht überhaupt keine ernsthafte Strafe – und das ist ein täglicher Skandal.

 

Kommentare  

 
0 #1 Bernhard Knierim 2013-03-05 22:11
Das ist leider die traurige Realität in unserer Stadt - sehr treffend beschrieben. Man könnte fortsetzen mit dem Taxi-Durchgangs verkehr in den Fahrradstraßen (offensichtlich ebenfalls ein Kavaliersdelikt ) oder dem immer noch völlig üblichen Parken auf den Radwegen (Polizist: "Wo soll er denn sonst stehen?"). Aber merke: Schuld sind nur die "Kampfradler", von denen geht nämlich die eigentliche Aggression aus...
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