Berlin braucht keinen Fahrradbeauftragten?

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Seit 2003 gab es endlich auch in Berlin das Amt des Fahrradbeauftragten, der sich für die Belange des Fahrradverkehrs in der Stadt einsetzen sollte. Ein nettes Symbol - mehr nicht. Während andere Städte ganze Teams von fest angestellten Fahrradbeauftragten beschäftigen - Frankfurt am Main beispielsweise vier Personen, war das Amt in Berlin immer nur ehrenamtlich und dazu auch noch ohne eigenes Budget. Aus der Frustration über den Kampf gegen Windmühlen hatte der letzte Fahrradbeauftragte Arvid Krenz seinen Job hingeworfen, und danach hatte sich kein Nachfolger gefunden.

Nun teilte Stadtentwicklungssenator Michael Müller mit: Das Amt wird einfach abgeschafft. Schließlich habe der Fahrradverkehr "in Politik und VErwaltung kontinuierlich an Stellenwert gewonnen". Das können die, die in Berlin mit dem Fahrrad unterwegs sind, leider nicht bestätigen. In diesem Jahr wurden bereits 10 Fahrradfahrende in der Stadt getötet. Einer der Gründe dafür: An vielen Stellen gibt es keine oder schlecht ausgebaute und gefährliche Fahrradwege. Von den geplanten Radrouten durch die Stadt ist bisher erst ein Drittel ausgeschildert, und viele Teilstrecken davon wurden noch nicht umgebaut und auf Tempo 30 reduziert. Auch die Fahrradstraßen in der Innenstadt - eigentlich eine gute Idee - sind nur halbherzig eingerichtet worden: Sie weisen höchst gefährliche Kreuzungen auf und werden außerdem von vielen Autofahrerinnen und Autofahrern als Ausweichstrecken genutzt, da die Polizei nicht kontrolliert, wer wirklich Anlieger ist und auch mit dem Auto hindurchfahren darf. Und richtig dick kommt es für die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer immer wieder im Winter, Wenn die ohnehin zu wenigen Radwege über Wochen nicht geräumt werden, sondern im Gegenteil sogar noch der Schnee von den Straßen auf sie geschoben wird. Eine fahrradfreundliche Stadt sieht anders aus. Vielleicht sollte sich Michael Müller einmal selber auf ein Fahrrad setzen und durch die Stadt fahren.

Hier die Meldung aus der Berliner Zeitung dazu: Senat will keinen Fahrradbeauftragten

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