Grüner Pfeil, nein Danke!

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Berlin, Kreuzung Friedrichstraße-Reinhardtstraße an einem winterlichen Samstag. Autos warten an der roten Ampel in der Friedrichstraße, Fußgänger überqueren die Reinhardtstraße. Viele von ihnen sind als Touristen in Berlin, und erwarten zu finden, was ihr Reiseführer ankündigt. In Deutschland herrscht Ordnung und Verkehrsregeln gelten. Was sie nicht ahnen ist die Rechtlosigkeit der Fußgänger. Die Autoampel geht nämlich auf grün, als die Fußgängerampel noch grün ist. Der erste Rechtsabbieger, ein silberner Porsche, hält an und wartet, wie es im Buch steht. Hinter ihm zwei Taxifahrer beginnen sofort aggresiv zu hupen. Als ob das nicht ausreicht, überholt eines davon links von dem Porsche, ohne Sicht, und droht die Fußgänger zu überfahren, die immer noch (bei Grün!) die Straße überqueren. Die Szene erinnert mehr an Bürgerkrieg an der Straße als an ein Land im Frieden. Das alles geschieht im wahrscheinlich best überwachten Stadtteil der Republik. Dort geschieht keine Straftat ungefilmt. Aber die gefährlichen Kreuzungen werden nicht gefilmt und damit werden die Rechte der Fußgänger und Radfahrer nicht geschützt.

Der grüne Pfeil ist ein Zumutung für die FußgängerInnen, nicht nur in Berlin sondern überall. Er ist eingeführt worden in einer DDR, in der es nur halb so viele Autos gab, die nicht mal halb so schnell waren, die gefahren wurden von FahrerInnen, die nicht mal halb so aggresiv waren und einer Straßenverkehrsordnung unterlagen, die mehr als doppelt so streng richtete wie die heutige.

 

Der grüne Pfeil unterstellt, dass AutofahrerInnen gutmütig und rücksichtsvoll sind. Das sagt auch der/die HundebesitzerIn gerne: i-wo, der tut nichts! Glauben müßen es natürlich die anderen. Die Grüne Pfeil gehört abgeschafft, er kann beibehalten werden für Fahrräder.

 

Ohne grünen Pfeil können tausende angefahrene, verletzte und getötete Fußgänger verschont bleiben. Einige Minuten Wartezeit für Autofahrer sind dafür ein geringer Preis.

 

Wer meint, der deutsche Autofahrer und die deutsche Autofahrerin könnten ihre Ungeduld dem Recht der Fußgängerinnen und Fußgänger unterordnen, werfe einen Blick auf die Unfallstatistik! Oder noch besser: laufe einmal selbst zu Fuß durch die Stadt am montag Vormittag! Im Jahr 2014 verkommt die Straße zum Austragungsort eines Bürgerkriegs niedriger Intensität. In den „Begegnugszonen“ ohne klare Regeln herrscht die Macht von Blech und Dreistigkeit. Hier ist Ordnungspolitik gefragt, und nicht Liberalismus.

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